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Werke

Impressionen

Biographie

SAM GRIGORIAN

1957 geboren in Jerewan

Seit 1992   lebt und arbeitet in Berlin

Einzelausstellungen (Auswahl)

2018

Tufenkian Fine Arts, LA USA

Galerie Mollwo, Riehen/Basel, Schweiz

2015

Tufenkian Fine Arts, LA USA

2014

Galerie Mollwo, Riehen/Basel, Schweiz mit Pi Ledergerber

2013

Galerie Tammen & Partner, Berlin mit Pit Kroke

Anna Pappas Gallery, Melbourne, Australien

2011

Galerie Mollwo, Riehen/Basel, Schweiz

Anna Pappas Gallery, Melbourne, Australien

Galerie Brötzinger Art, Pforzheim-Brötzinger

2009

Anna Pappas Gallery mit Elisabeth Weissensteiner, Melbourne, Australien

2008

Galerie Mollwo, Riehen/Basel, Schweiz mit Pi Ledergerber

Kunst & Co, Flensburg, Germany

2007

Galerie in der TU Kaiserslautern

2005

Galerie Mazzara, Riehen/Basel, Schweiz

Staatliche Galerie Eberswalde

Daimler Chrysler Haus, Berlin

2004

Über Gallery, Melbourne, Australien

2002

Galerie Hohengasse 5, Burgdorf, Schweiz

2001

Galerie sphn, Berlin

1995

“Kunst hat keine Heimat”, Galerie im Altes Rathaus Potsdam

Deutschland Haus Berlin

1993

Projekt “Eine Welt für Alle”, Wandmalerei 300x500 cm, Eingang Gesamtschule, Bernau

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2018

Intermezzo: Sam Grigorian meets Till Hass, Reinbeckhallen, Berlin

2015

Verious Artists, Anna Pappas Gallery, Melbourne, Australien

2014

CROSSWORDS 2 - Text based Art in 2 Locations, Pierre Granoux & Jordan/Seydoux

Kunstauktion HAUFF & AUVERMANN Berlin

2013

“#JAHRESGABEN”, anläßlich der 1.000.050 geburtstag der kunst, Lage Egal, Berlin

2012

Deutschland Jahr in Russland, “Neonastalgiya”, A3 Gallery, Moskau

2011

Christie´s London, Charity Auction of Contemporary Armenian Art, In aid of Yerevan My Love

2010

Gala Exhibition, Armenian Abstract Artists, Modern Art Museum of Armenia, Yerevan

Projekt “Heimat”, Willy-Brandt-Haus, Atrium

2009

Haus der Kunst - St. Josef, Solothurn, Schweiz

Anna Pappas Gallery, Melbourne, Australien

2008

elledorado Jubiläumsauktion 2008, Berlinische Galerie

2007

Armenian Modern Art, Musée du Luxemburg, Paris, France

Gallery 37, Williamstown, Massachusetts, USA

2006

c. wichtendahl galerie, Berlin

Die Kunst im 21. Jahrhundert, boulevard, Berlin

2005

c. wichtendahl galerie, Berlin

"Armenian Journey", Highway Gallery, Melbourne, Australien

2004

Galerie Mazzara, Riehen/Basel, Schweiz

2003

Internationales Projekt „Paradies“, Berlin, Alexanderplatz

„Nicht schwarz, nicht weiß“, Galerie sphn, Berlin

2002

Galerie De Rijk, Den Haag mit Tápies, Appel, Aleschinsky

Deutsche Guggenheim Berlin mit Kunstauktion "Artanfall"

2000

Galerie De Rijk, Den Haag, Holland

Internationale Kunstausstellung, Deichturnhalle, Hamburg

Kunstwettbewerb „Transfiguration“, Jubiläum Rundfunkorchester, Berlin

1996

Galerie Georg Nothelfer, Berlin

1989

Staatliche Galerie Armenien, Yerewan

1988

Museum für Moderne Kunst, Yerewa

Kunstmessen

2016

Palm Spring Fine Art Fair, Tufenkian Fine Arts, LA USA

2015

LA ART SHOW 2015, Tufenkian Fine Arts, LA USA

2013

Art Stage Singapore, Anna Pappas Gallery, Melbourne, Australien

2012

Art Fair Köln, Messe für Moderne und Aktuelle Kunst, Galerie Mollwo, Riehen/Basel

Melbourne Art Fair, Anna Pappas Gallery, Melbourne, Australien

art KARLSRUHE 2012, Galerie Mollwo, Riehen/Basel, Schweiz

2011

Art.Fair Köln, Messe für Moderne und Aktuelle Kunst, Galerie Mollwo, Riehen/Basel

art KARLSRUHE 2011, Galerie Mollwo, Riehen/Basel, Schweiz

2009

HanseArt Bremen

2008

05. Berliner Kunstsalon 2008

2006

Melbourne Art Fair 2006 mit Über Gallery, Melbourne, Australien

2005

Art Sydney 05 with Über Gallery, Melbourne, Australien

Art Manege, Moscow, Rußland

10th Sydney Art on Paper Fair mit Über Gallery, Melbourne

2003

Art Frankfurt, mit gallery sphn, Berlin

2002

Sthlm Art Fair Stockholm mit Gallery sphn, Berlin

Kunst Rai Amsterdam mit Gallery De Rijk, Den Haag,Holland

Art Forum Berlin mit Art Auction "Artanfall"

2001

Sthlm Art Fair Stockholm mit Gallery sphn, Berlin

2000

Kunst Rai Amsterdam with Gallery De Rijk, Den Haag

1995

Art Cologne with Gallery Nothelfer, Berlin

Biennale

2010

Holland Paper Biennial 2010, Museum Rijswijk und Museum of Apeldoorn (CODA)

Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa, Australien, USA, unter anderen in New Orleans Museum of Art

Publikationen

Rede zur Austellungseröffnung von SAM GRIGORIAN und ANDREAS THEURER am 26. Oktober 2018 in der Galerie Tammen & Partner. Von Dr. Dorothée Bauerle-Willert

Lieber Andreas Theurer, lieber Sam Grigorian, lieber Herr Tammen, meine sehr verehrten Damen und Herren,

Ich freue mich sehr, der schönen Ausstellung ein paar Gedanken beifügen zu dürfen und danke herzlich für die Einladung zu den Arbeiten zu sprechen.

Auf den ersten Blick bringt die Ausstellung zwei unterschiedliche künstlerische Positionen zusammen, die dann doch Verbindungen, visuelle Korrespondenzen aufweisen und herstellen. Verbindungen ergeben sich beispielsweise in der Wahl des fragilen Materials Papier und seiner Bearbeitung: der Einsatz von Knicken und Faltungen, die beide Künstler ganz individuell vornehmen, stellt solche Brückenschläge vom einem zum anderen her. Auch ihr wagemutiges Spiel mit Perspektiven und ihrer Irritation ergibt solche Brückenschläge - mit dem Imaginären als Widerlager -  die das einsinnige Entweder - Oder der Medien und Vokabulare unterlaufen.

Das Kunstwerk - nach einem Diktum von Picasso – „ist längst entlassen aus der schwachsinnigen Tyrannei der Gattungen. Es ist nicht länger dies oder das. Es ist!“ Erledigt ist die Gattungsfrage damit aber nicht; bis heute werden durch und mit dem je spezifischen Kunstwerk die Fragen nach Gattungen und Medien weitergetrieben, reflektiert und untersucht und  viele der interessanten gegenwärtigen Kunstwerke lassen sich nicht so einfach in einer Disziplin arretieren. Die Wahrnehmung von Kunst ist – auch – ein Wechselspiel zwischen vielfach geschichtetem medialem Material, ein Navigieren ohne vorab gesetzte Hierarchisierung.

Die Reliefs von Andreas Theurer, die wir hier sehen, sind Zwischenwesen, haptische Bilder. Dabei führt die Geschichte des Reliefs an die Anfänge von Kulturen zurück: das aus der Felswand wie aus dem Schlummer erwachende Volumen oder die eingehölte konkave Form sind der Beginn aller Skulptur - und, wenn wir dem Mythos folgen, liegt in dem aufgefüllten Schattenriss, der Zeichnung und Material verbindet, auch die Urform der Kunst  als Instrument der Wiederholung, der Vergegenwärtigung des Abwesenden, einer existentiellen Erfahrung.

Erst später kommt die freistehende Skulptur zu ihrer dominanten Rolle - und seither kann man eine ständige skulpturale Doppelstimme zwischen der an die Fläche gebundenen und der freistehenden Form vernehmen - und es ist, als ob die Arbeiten von Andreas Theurer hier in der Ausstellung diese Doppelstimme wieder einmal erklingen lassen. Die Skulpturen und die Reliefs umspielen, erspielen jeweils das Verhältnis zwischen Raum und Fläche, zwischen Körper und Zeichen. Seine Figuren aus Wellpappe sind präzise aus diesem eher banalen Material gedacht. Als abstrakte Formen, aus geometrischen  Grundelementen entwickelt, changieren sie doch zwischen organischem Körper und kubischer Konstruktion und setzen so Wahrnehmung in Gang, öffnen sich zum Raum, gehen um mit dem zerbrechlichen Kontinuum, das unser Leben ist und reflektieren zugleich über die Setzungen der Kunst, über Material, Zeichnung, Bezeichnung, Malerei und Kontur.

In seinen Double Visions, den Raumgebilden an der der Wand setzt Andreas Theurer seine Untersuchungen fort, nun mit Tableau-Objets, die Innen und Außen, Malerei und Skulptur, Anwesenheit und ihr Schatten ineinander kippen lassen und so die Wahrnehmung des einen oder anderen immer neu miteinander verknüpfen. Zugleich wird wiederum die Rückführung der Skulptur zum Wandobjekt wie die Aufsprengung der Zweidimensionalität des Bildes aus dem Material selbst entwickelt: Die Flächen­ der Pappe sind ja schon in ihrer Binnenstruktur eigentlich Reliefs, gesteigert durch die materiale Bearbeitung der Oberfläche, die dann durch Knicken, Falten in den Raum erweitert werden - Konstruktionen, die in der Bemalung der Fläche, in der in doppelter Hinsicht räumlichen Struktur der Objekte zwischen Bild und Skulptur changieren. Zugleich erkunden sie als Relief Übergangssphären zwischen Nahbild und Fernbild. Auch die Vorstellung ist ja eine Mischerin. Die Erfahrung von Kunstwerken kann nicht eindimensional gedacht werden. Der Betrachter im Raum mit all seinen Sinnen und Erfahrungen prägt die Wahrnehmung und fächert die mögliche Erfahrung in der zeitlichen und räumlichen Anschauung auf - und schließt den Fächer wieder zusammen. Bei Theurer wird gleichsam  der optische Effekt der Fernräume, übersetzt ins Relief, in den Innenraum selbst hineingezogen. Die Rhythmisierung des Raumes durch Räume, Anräume, geht über in eine Durchspielung des Raumes zwischen Bühne und Schneckenhaus, zwischen Schutzraum und Ausgesetztsein.

Schon die Stelen im Raum oszillieren zwischen Leiblichkeit und Bild, scheinen ihre Volumina ins Imaginäre zu transponieren, sind nicht auf eine Sicht oder Deutung zu reduzieren. Es geht also in den Arbeiten weniger um einen feststellbaren Zustand als um Ambivalenz, die ja auch unser Leben prägt. Es geht um einen Vorgang, der die uneinholbare Prozessualität des Sehens, des Wahrnehmens einbegreift, der sich der Fixierung und Kontrolle entzieht. Die Erfahrung der zerbrechlichen Einrichtung der Welt, der Riss, ist Teil und Auslöser der Entwürfe, die je ein Feld von Möglichkeiten, von Fragen, von vorläufigen und doch präzisen Setzungen abstecken.

Auch Sam Grigorian jongliert souverän mit kunstgeschichtlicher Tradition, mit Medien und Kulturen, Geschichte und Schichtungen. Seine Collagen/Decollagen übertanzen Grenzen und Disziplinen. Zeichnung und Malerei, Farbe und Linie, Figur und Grund, Form und Spiel, Erkennen und Suchen verbinden sich in seinen unterschiedlichen Werkgruppen und in jedem Bild überkreuzen sich visuelle Energien und Impulse.

In der Wiederverwendung und Wiederaneignung von alten, bereits bezeichneten Papieren wird das Bildgefüge zum Palimpsest, in dem sich unterschiedliche Schichten, Nuancen, Spuren des Lebens überlagern. Jede Arbeit ist gleichsam ein Sehgitter, das den Einfall einer neuen, vielschichtigen Konfiguration herstellt und die Wahrnehmung in ein konstruktives Sehen zwischen Farbe und Struktur, Collage und Decollage, Fläche und Raum hineinzieht.

Und wie beim Relief klingen auch bei der Abstraktion ursprüngliche Möglichkeiten der bildnerischen Potentiale an. Schemata, das Ornament, die Musterung waren schon immer Facetten der Bildlichkeit, die dann im Vorstoß in die gegenstandslose Welt, in die integrale Abstraktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts Form und  Inhalt neu reflektieren und auf kühne Weise zur Deckung bringen.

Im Prinzip der repetitiven Dichte, im Spiel der geometrischen Flächen, der Linien, der Farbe,  ihrer Nachbarschaften und kristallinen Ordnungen wird das Bild bei Sam Grigorian gleichsam musikalisch, gewinnt Rhythmus  und Takt, wird Neuschöpfung. Gerade in der Reduktion auf geometrisches Vokabular, auf konzeptuelle Recherche ergibt sich in der Anschauung immer wieder neu die komplexe, unauflösbare Erfahrung des Bildes, des Bildens zwischen Wiederholung und Differenz, Sukzession und Einmaligkeit.

Sam Grigorian erkundet zugleich die Farbe im Zusammenspiel und im räumlichen Sehen: Das Vorne oder Dahinter, die Überlagerung und die Abfolge stellen sich wechselweise in Frage - und gerade dadurch werden Objektivität und Gewissheiten fraglich in der und durch die Anschauung. Mit diesem Brüchigwerden der Selbstsicherheit und mit der Relativierung der Wahrnehmung setzt eine Befragung ein, die - weit über das Bild hinaus - herkömmliche Beurteilungskategorien torpediert.

Vielleicht ist alle Kunst ein Besuch von einem anderen Stern, so der Titel einer Werkgruppe Grigorians, die vielfarbige, kaleidoskopische Formen auf schwarzem Grunde schweben lässt.  In solchen Kunstwerken erfahren wir zunächst Fremdheit, Befremden, eine Wahrnehmung von Alterität, und „die ‚Andersheit‘, so der Literaturwissenschaftler Georg Steiner, „die in uns eintritt, macht uns anders“. Das fluktuierende geometrische Spiel verknüpft den Betrachter mit einer Sphäre jenseits der Dinge, reale Gegenwart der Betrachtung und ein Anderswo verbinden sich, klar und geheimnisvoll zugleich.

Die Arbeiten hier in der Ausstellung zeigen Kunst als Gabe des Zusehengebens. Die Gabe der Kunst reicht weit über die Wiedergabe, die Abspiegelung der Welt hinaus. Was das Bild zeigt, ist ein Möglichkeitsfeld. Die Kunst öffnet einen Raum, der im Geschehen der Ent- und Verbergung ein anderes Verstehen erst ermöglicht. Diese Auffassung einer ursprünglichen Gabe in der Malerei impliziert bereits, dass das Kunstwerk keine bloße Wiederholung eines Außen ist. Das Außen und das Bild treten in ein komplexes Verhältnis. Die außerhalb des Bildes liegende Realität ist nicht der Maßstab des Bildes, ihr Anspruch reicht sozusagen nur lose in das Kunstwerk hinein. Das innerbildliche Geschehen aber wirkt als Sinnerschließung auf das Begreifen außerbildlicher Wirklichkeit ein. Das Verstehen außerbildlicher Wirklichkeit kann aus einem Übertreten von innerbildlicher Wirklichkeit in sein Außen schöpfen. In der bildlichen Darstellung ereignet sich etwas, das außerhalb des Kunstwerks unauffindbar, nicht wirklich gegeben ist. Was sich im Bild gibt und nur im Bild gegeben wird, wird dem Seienden als seine Wahrheit wiedergegeben. Kunstwerke sind ursprüngliche Wieder-Gabe, sie zeigen sich im Erblickt-Werden. Ihr Geschehen ist als Rahmen zu fassen, nur in ihren Erscheinungen ist sie greifbar.

Aus Nachbarschaften, Berührungen, Überschneidungen entsteht ein gestalteter Raum, in dem Sinn/Inhalt erst zum Vorschein kommt als ein stummes Gespräch der Formen und Farben untereinander, als ein Erinnerungsangebot zurück zu anderen Werken oder sogar voraus zu Bildern, die wir noch nicht haben. Das Kunstwerk spricht aus sich, spricht sich aus, und ist eine Einladung, einzutreten in einen Raumort und als Gast an dieser vielstimmigen Konversation teilzuhaben.

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