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Works

Impressions

Biography

Katharina Gerold  born in Gera / Thuringia

Studied architecture, TU Dresden (diploma) and at the Bauhaus Dessau (under Dieter Bankert)

Studied architecture-related artistic design, Hochschule f. Bildende Künste Dresden

Worked as an architect in Amsterdam (NL)

Worked as a freelance architect and artist in Paris (FR)

Architectural practice Katharina Gerold / Cornelius Geiler in Berlin

since 2004 working as an artist / sculptor in Berlin

Projects / Competitions (selection)

2002 Internat. competition "floating homes–Berlin" Gerold/Geiler/Kaschlik-Architekten (2nd prize)

2004 Artistic façade work in Berlin-Friedrichshain (realised)

2012 Large-scale sculptures in the J.-L. Servan-Schreiber sculpture park in Roussillon/France (realised)

2017 International art-in-architecture competition Rathausplatz Sankt Vith/Belgium (purchase)

2017 Art prize Museum Schloss Schwarzenberg (nomination)

2018 Internat. art-in-architecture competition Humboldt-Forum im Schloss Berlin (selected for the final round)

2019 Façade work Stadtlohn „Kunststationen“ (realised)

Exhibitions, selection (S - Solo exhibition)

2025 Hamburg Galerie Holthoff (contemporary interpretations of Edvard Munch)

2025 Berlin Galerie Tammen (All Together Now)

2024 Winningen Biennale Winningen (catalogue)

2023 Benkhausen Schlosspark Benkhausen and Ellerburg (art prize nomination)

2022 Berlin Galerie Helle Coppi (S), Eitorf Galerie Incontro

2021 Bonn Frauenmuseum Bonn, Art Fair - Chemnitz Kunstfestival Chemnitz - Vienna/Austria Sotheby's / CS Hospiz am Rennweg

2020 Karlsruhe ART Karlsruhe with Galerie Kornfeld Berlin - Hude Galerie am Stall (with Nanja Heid) (S)

2019 Miami/USA Untitled, ART MIAMI BEACH with Galerie Kornfeld Berlin - Berlin Galerie Helle Coppi - BonnGalerie Jutta Radicke - Stadtlohn art in architecture - realised - Karlsruhe ART Karlsruhe with Galerie Kornfeld

2018 Essen Galerie Klose - Berlin Galerie Kornfeld (Lebensguss MARC KREPP) - Paris/France Galerie Clara Scremini (S) - Berlin Galerie Friedmann-Hahn

2017 Schwarzenberg Museum Schloss Schwarzenberg (art prize nomination) - Nottuln Galerie Hovestadt (with Gábor Török) (S)

2016 Leipzig Tapetenwerk art prize (honourable mention)

2015 Magdeburg Galerie Himmelreich (S) - Berlin Galerie Gräfe art.concept (S)

2012 Berlin Galerie LUX - Roussillon/France large-scale sculpture, sculpture park, (art in architecture - realised)

2011 Berlin Galerie Friedmann-Hahn

2010 Berlin Galerie Kuckucksnest (S)

2004 Berlin façade work in Berlin-Friedrichshain, (art in architecture - realised)

1997 Paris/France Galerie CROUS-BEAUX-ARTS (S)

The Art is Present - Artist Statement

My work on the ProfilKöpfe originates in the consistent, tireless sketching of faces. From this emerge idiosyncratic, slender heads in fired clay or bronze, reduced to their profile, reaching expressively into the space –  they are at once mirror, attitude and invitation to dialogue.

Every attitude we adopt is a position within a relationship. It has form and expression, and in this sense it is immaterial or material sculpture. I am interested in attitudes, gestures and bearing in encounters between and with people. I examine the filters that veil these encounters – individual experiences, feelings and prejudices, but also hope or fear. Our perceptions and reactions are determined by them.

"All real living is meeting", Martin Buber wrote one hundred years ago, and: „Through the Thou a person becomes I“. To address this, I place the viewer in the situation of being viewed. In doing so, I search for a consciousness beyond manipulated identity. I look for the unashamed individual, for the possibility of unvarnished curiosity.

These images of people arise in the midst of life, in the span between personal perception and socio-political concern. They come into being in everyday life or on journeys. They grow out of an intense impatience, out of delight in the unexpected, out of the natural ease of encountering people without fear. k.g.

Publications

Amanda Gorman und das Löwenzahnfossil

Zeichen von dem, was bleibt: Die außergewöhnlichen Menschen- und Naturbilder der Bildhauerin Katharina Gerold

Von Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung, 16.Juli 2022)

Was sich da an der Galeriewand reiht und für uns Besucher sozusagen Spalier hängt statt steht, sind so ganz andere Porträtköpfe, als man sie traditionell aus der Kunst der Skulptur kennt. Es sind Leute in scharfem Profil, aus hart gebranntem, farbigem Ton: Frauen und Männer, denen die Berliner Bildhauerin Katharina Gerold irgendwann, irgendwie begegnet ist: Junge oder Ältere, anonyme Typen, markante Charaktere, die ihre Rollen spielen. Oder die ihr Geheimnis verbergen hinter entschlossenen, wie abwesend in sich gekehrten Mienen. Von denen man nicht weiß, ob sie aus der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft kommen.

Das Asymmetrische beider Gesichtshälften bekommt durch die Profilform einen radikal verknappten, zugleich philosophischen Aspekt. Durch die Balance zwischen realem und abstraktem, archaischem und klassischem Habitus fordern diese fast scherenschnittartigen menschlichen Typen uns dazu auf, sie betrachtend zu fragen: Wer bist du? Danach fragen sie prompt zurück: Und wer bist du? Und was denkst und tust du?

Da schaut Amanda Gorman von der Galeriewand, ein leuchtend gelbes Band im Haar. Die Welt kennt die schöne junge Frau seit dem 20. Januar 2021, als die afroamerikanische Lyrikerin und Aktivistin zur Amtseinführung von Präsident Joe Biden ihr Gedicht „The Hill We Climb“ vortrug, derweil Donald Trumps Mob versuchte, das Capitol zu stürmen. Auf Fotos sieht Amanda immer lieblicher aus als hier, aus braunem Ton geformt, mit diesem in die Ferne gerichteten Blick und dem kämpferisch entschlossenen Mund. Auf der anderen Seite des Kopfes wirkt alles weicher, mädchenhafter.

Sie scheint zu träumen. Vielleicht davon, dass eines Tages tatsächlich alle Menschen Brüder sind, wie es der charismatische amerikanische Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King bis 1968 predigte, als ihn ein weißer Rassist im Memphis erschoss.

Als das Gesicht Amanda Gormans die Medien füllte, kam Katharina Gerold in ihrem Berliner Atelier auf die Idee, die nach dem legendären Auftritt Vielfotografierte in einem Profilkopf zu verewigen − ihren Mut, ihren anmutigen Trotz, die Poesie der Dichterin nicht in eine traditionelle Plastik zu übersetzen, sondern in zwei Seiten auszudrücken. Von rechts und von links gesehen diesen Ausspruch zu betonen: „Ich bin die Tochter von schwarzen Schriftstellern, die von Freiheitskämpfern abstammen, die ihre Ketten durchbrochen und die Welt verändert haben. Sie rufen mich!“

Warum arbeitet Katharina Gerold, die aus Thüringen stammt und an der Dresdner Kunsthochschule Architektur studierte, die Häuser baute, ehe sie in die freie Kunst ging, ausgerechnet mit solcher Vorliebe mit dem Material Ton? Und warum so frappierend anders, so unkonventionell eigensinnig, gemessen an der klassischen Bildhauerkunst?

Sie überlegt eine Weile und antwortet dann: „Ton ist Erdstoff, ist Natur. Das fasziniert mich. Ton ist formbar, also plastisch. Er entsteht durch Erosion von Gestein, Felsen, ja ganzen Gebirgen, in Jahrmillionen. Abgetragen von Wetter, von Stürmen. Ton ist ein reisendes Material. Es wird transportiert von Steppenwinden, Gletschern und Flüssen und abgelagert an fernen Orten. Habe ich dieses feinste, weitgereiste Material in der Hand, erzählt es mir von Geschichte und Essenz. Es erzählt von der Seele der Erde.“ Sie wolle, setzt sie hinzu, aus diesem mineralreichen Erdstoff neue Geschichten formen und erzählen. Von Menschen, die sie kaum oder gar nicht kennt, und denen sie im Profil doch ihren Charakter und Typus gibt.

Und sie formt auf kleinen und großen, bis zu 80 Kilogramm schweren Tontafeln Gebilde der Natur. Diese hat sie, wie einst Adelbert von Chamisso, der Philosoph mit der Botanisiertrommel, auf der Suche nach ihren Motiven durchstreift. Katharina Gerold traf in den beiden Corona-Jahren die heimische Version der Göttin Flora, ihre Wälder, Büsche, Wiesen, Felder. Das alles findet sich wieder auf ihren Tontafeln, ist darin zu Kunst-Zeichen geronnen. Da ist etwa, wie gewachsen aus einer raffiniert partiell, gleichsam als Passepartout aufgetragenen farbigen Glasur, dieser in der Sommersonne rot getrocknete Löwenzahn.

Seine unteren Stängel retten ihr letztes Grün, wedeln um die versengten, am Rand gezähnten Blätter herum. Eine Performance vom Werden und Vergehen. Genauso wie die gleich große Zwillingstafel, eine Herbstszene aus müden, welken Blättern von Stauden oder Bäumen. Man denkt unwillkürlich an die vom Klimawandel so bedrohten Ulmen. Oder an Buchenblätter, gelbrot; eins ist schon bis aufs Blattgerippe zerfasert. Der grüne Glasunterfang bildet so etwas wie einen Spiegelrahmen, in dem sich die vergehende Schönheit ein letztes Mal spiegelt. Man möchte Rainer Maria Rilkes „Herbsttag“ zitieren: „Herr: Es ist Zeit, der Sommer war sehr groß. / Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren / und auf den Fluren lass die Winde los ...“

„Was bleibt“ taufte Katharina Gerold die zwei wandfüllenden und auch noch etliche kleinere Reliefs. Letzteres eine Kunstform des Dazwischen seit uralten Zeiten – halb zweidimensionale Malerei, halb räumliche Skulptur. In den Tafeln mit türkisfarbenem Glasur-Unterfang sieht man deutlich echte Zweige, Stängel, Blätter, Blütenfetzen, angeordnet und förmlich in den vormals nassen Ton gedrückt. Ein Prozess, der mal hart und sperrig, mal ganz zart verläuft, wie die Künstlerin es beschreibt. Dann bringt sie die partielle Glasur auf. Danach werden die Platten in der brandenburgischen Neuen Ziegelmanufaktur Glindow gebrannt und mit Farbpigmenten behandelt. Oft sind sie unregelmäßig geformt, weisen − Fundstücken gleich − gebrochene Kanten und Ecken, Risse und Spalten auf.

Die in Ton gebrannten Naturmotive sind nicht nur ein ästhetisches Ereignis, man betrachtet sie auch wie Fossilien. Als das, was bleibt, wenn sengende Hitze drüber geht, wenn die (Jahres-)Zeit abgelaufen ist. Wie die Erdzeitgeschichte, die auch ohne uns Menschen abläuft. Es sind Sinnbilder. Irgendwie auch Gedenktafeln – parallel zur Jahrmillionen alten Natur.

Als Schlemihl in den Pyrenäen

"was bleibt" Katharina Gerolds poetische Tonplastiken in den neuen Räumen der Galerie Gräfe.art.concept

Von Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung, 24. Februar 2015)

Womöglich ist der Franzose Chamisso seinerzeit nie mit der Botanisiertrommel in den Pyrenäen gewesen. Die Berliner Bildhauerin Katharina Gerold aber sucht für sich genau diesen steinigen, waldigen Weg, entdeckte da Fossilien, die sich nun auf Ton-Tafeln wiederfinden, als Spuren vom ewigen Werden und Vergehen.

War er wohl jemals in den Pyrenäen? Schwer zu sagen, ob einst schon Chamisso diese Wege gegangen ist. Der Naturforscher und Dichter („Peter Schlehmils wundersame Geschichte“) aus der französischen Champagne, Freund Alexander von Humboldts und E.T. A. Hoffmanns, hat, glaubt man der Literatur, mit seiner Botanisiertrommel, Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, eher exotische Erdregionen wie Alaska, Polynesien oder Hawaii erkundet.

Doch unterstellen wir dem Franzosen Lokalpatriotismus und stellen uns vor, er sei, immer auf der Suche nach auch heimischen Meisterleistungen und Kuriositäten durch Göttin Flora, die Berghänge der Pyrenäen hoch- und runtergekraxelt, durch Wälder, Büsche, Schluchten und Täler, über Berghänge, Lichtungen, Wiesen, an Wasserläufen entlang gewandert – er müsste eigentlich all das schon entdeckt haben: Das alles eben, was kürzlich auf Katharina Gerolds poetischen Tontafeln zu Kunst-Zeichen geronnen ist.

Die Berliner Bildhauerin hat die steinigen Pyrenäen-Wege genommen, Gräser, Blüten, Blätter der Gebirgsregion gesammelt, echte Fossilien in kleinen Gesteinsbrocken entdeckt – und all das Geschaute dann auf ihren Plastiken zu „Fossilien“ verwandelt: zu einer Art Gedenktafeln – parallel zur Jahrmillionen alten Natur. In den weichen Tongrund drückte sie die Gräser, Farne, Blätter, Blüten ab.

Dann wurde das Erdmaterial hart gebrannt. Und schließlich kam zur plastischen die malerische Komponente hinzu: Schilfiges oder moosiges Grün für die tönernen Flächen, warmes Rostbraun für Stängel und Blattstände, silbriges Weiß oder Rotbraun und grünbraun für zierliche Rankenblätter. Auf einmal sind die Jahreszeiten, ja, der Faktor Zeit überhaupt, aufgehoben. Das ewige Werden und Vergehen in der Natur ist als spurenhaftes Sinnbild, als Gleichnis, eingebrannt in die Tonflächen, sparsam, fast karg, still und stumm, dabei hochästhetisch, naturnah und doch ganz von der Inspiration getragen.

Damit startet die Galerie Gräfe.art.concept in neuen Räumen, veranstaltet von der kunstbesessenen Neurochirurgin Hildegard Gräfe, ihr Programm. Die renommierte Medizinerin, selbst leidenschaftliche Sammlerin, auch von Dingen aus der Wunderkammer der Natur, favorisiert für ihren Ausstellungsort mitten im Käthe-Kollwitz-Kiez die enge Verbindung von Kunst zu den Phänomenen der Natur und des alltäglichen Lebens. In einer Vitrine neben den Plastiken sind Katharina Gerolds Fundstücke aus den Pyrenäen und von den Stränden des Mittelmeeres mitgebrachte Fundstücke versammelt, oft nur winzige, echte Fossilien. Sie verraten die Inspirationsquelle, dieser „Übersetzungen“ des Vokabulars der Natur auf die künstlichen Bildträger: „Millionen Jahre“, so Gerold, geboren in Thüringen, ausgebildet an der Dresdner Kunstakademie und etliche Jahre auch in Frankreich zu Hause, „waren auf einmal fassbar und auch wieder nicht ...“

Ihre Affinität zum Naturphilosophischen kommt in diesen zarten Werken ganz besonders zum Ausdruck. Sie korrespondieren an den Galeriewänden auf fantasievolle Weise mit all jenen „Porträts“ aus bemaltem, hart gebranntem Ton, die in den letzten drei Jahren entstanden: Leute in scharfem Profil: anonyme Frauen, Männer, denen die Bildhauerin, irgendwann und irgendwie, begegnet war: Typen, markante Charaktere, die ihre Rollen spielen. Von denen man nicht weiß, ob sie aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft kommen. Das Zwiegespaltene des Menschen, das Asymmetrische beider Gesichtshälften bekommt durch die Profilform einen radikal verknappten, zugleich philosophischen Aspekt. Durch die Balance zwischen Figuralem und Abstraktem, Archaischem und klassischem Habitus fordern diese fast scherenschnittartigen Typen auf, sie zu fragen: Wer bist du? Sie fragen zurück: Und wer bist du?

Diese zwei Seiten einer bildhauerischen Kunst, die Geschautes und Konzeptionelles, Prosaisches und Poetisches sinnfällig vereint, belegen aber ein immergleiches Vorgehen: Es sind Formen – menschliche Köpfe wie als „Fossilien“ entdeckte Gewächse, wachsen als Lebenszeichen heraus aus dem tönernen Bild-Träger. Die Sinnlichkeit des Materials und die Sprache der Zeichen markieren die Oberfläche.

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