Publikationen

Volker Leyendeckers künstlerisches Interesse konzentriert sich auf die Anatomie der Natur. Die detaillierten Nahaufnahmen von Stachelzweigen, Blattständen und Stängelgliedern, Blüten- und Sprossenformationen bereiten ein ästhetisches Sehvergnügen. Doch was auf den ersten Blick mit dem Erscheinungsbild der Fotografie kokettiert, entlarvt sich bei näherer Betrachtung als virtuelle Utopie. Mit der Vorstellungskraft eines Bildhauers und der mathematischen Präzision eines Naturwissenschaftlers konstruiert Volker Leyendecker die Modelle seiner Pflanzenwelt am Computer. Nur vermeintlich bieten seine Ansichten ein authentisches Abbild der Natur. Tatsächlich befinden sie sich im virtuellen Raum. Sie werfen ein Schlaglicht auf die Künstlichkeit unserer Lebensräume und thematisieren die Frage, mit welcher Wirklichkeit heute noch zu rechnen ist.

Dr. Stefanie Dathe, Direktorin Museum Ulm. Katalogtext zur Ausstellung „Warum Kunst?/Why Art?“ in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Weishaupt 2018

 

 

Landschaften zeichnen auf den ersten Blick sich dadurch aus, dass sie immer schon da sind. Sie sind das, was wir sehen, wenn wir in die Gegend schauen. Leyendecker führt uns das Gegenteil vor. Landschaften sind Prozesse. Denkprozesse. Leyendeckers Landschaften sind nicht da. Sie sind woanders. Ferne Planeten, virtuelle Welten - es sind ‚mögliche‘ im Sinne von ‚denkbare‘ Landschaften. Eigentlich Denklandschaften. Eine Landschaft erschließt sich in ihrer Prozesshaftigkeit etwa durch einen Vogel, der darin umherfliegt. Leyendecker aber führt uns vor, dass der Vogel nichts anderes ist, als der schweifende Blick, das raumgebende Denken. Leyendecker macht dieses Denken selbst sichtbar. Seine Arbeiten sind Visualisierungen jenes Denkprozesses, der Landschaften zu Landschaften macht.

Frank Baake M.A. - Direktor Rhein-Sieg-Forum Siegburg. Katalogtext zur Ausstellung Landschaft I – Galerie Tammen Berlin 2021

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