Biographie

MATTHIAS GARFF

Von fliegenden Hummeln über Darstellungen von Vögeln und überlebensgroßen Primaten bis hin zu einer ausgestorbenen Urform des Menschen, dem Homo erectus, reicht der Figurenkosmos von Matthias Garff. Sein Interesse an Naturvorgängen und unseren tierischen Nachbarn begann schon in der Kindheit und bestimmt nun sein künstlerisches Werk.

Garff arbeitet an einer Menagerie der besonderen Art und reflektiert dabei das Verhältnis des Menschen zum Tier und zur Natur allgemein. Damit begibt er sich auf tief ausgetretene Pfade, denn das Tier als Motiv der Kunst findet sich seit den frühesten Bildäußerungen, wie den steinzeitlichen Höhlen von Altamira und Lascaux, in allen Epochen. Das Verhältnis des Menschen zum Tier wird von Zuschreibungen und Projektionen bestimmt. Wir schauen Tiere nicht nur wegen ihrer Schönheit, Niedlichkeit oder Hässlichkeit an. Wir beobachten sie ohne sie durchschauen zu können und machen aus ihnen Ebenbilder oder Spiegel unserer Selbst. Diesen Phänomenen geht Matthias Garff nach. Wenn er tierische Verhaltensweisen mit unterschiedlichen Charakteren verbindet und sie in der Materialität und Gestaltung verdeutlicht oder seine Figuren zu Gruppen formiert, die sozialen Gefügen gleichen, erinnern seine Arbeiten an Fabeln. Manche seiner Skulpturen geraten zu Mischwesen zwischen Tier und Mensch, wie der hoch aufragende Schimpanse aus der Serie Altweltaffen, der eher einer Schimpansenhülle gleicht, als der naturgetreuen Nachbildung des Tieres. Überhaupt ist Garff kaum an einer realistische Abbildung interessiert. Grob zusammengeschraubt, geklebt oder genagelt, lässt er seine Geschöpfe aus gefundenem Material entstehen, wobei er diesen Entstehungsprozess selbst nachvollziehbar macht und die jeweiligen Materialästhetik bewusst als Gestaltungsmittel nutzt. Wie unvereinbar die Kunst und die Natur letzlich bleiben, führt er in seinen Videoarbeiten wie dem Argentinischen Garten vor. Hier konfrontiert er die realen Tiere unmittelbar mit seinen Schöpfungen und stößt vor allem auf Ignoranz und Desinteresse der Tiere an ihren künstlichen Ebenbildern. Im Gegensatz zu uns braucht das Tier weder den Menschen noch die Kunst. - Susanne Greinke

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